Kleine Historie von Freudenstadt

1599
Herzog Friedrich I. von Württemberg lässt durch Baumeister Heinrich Schickhardt Freudenstadt als Planstadt der Renaissance bauen. Der Grundriss ist einem Mühlebrettspiel nachempfunden, im Zentrum soll ein mächtiges Residenzschlosss entstehen. Arkaden umziehen den riesigen Platz. Heute mit 219 x 216 m Deutschlands größter Marktplatz.

1601
Herzog Friedrich gibt am Tag der Grundsteinlegung der Stadtkirche der Stadt ihren Namen "Freudenstadt". Die neue Stadt ist für 3500 Einwohner geplant (Berlin hatte damals 6000 Einwohner). Sie liegt im Zentrum seiner Vision eines großen württembergischen Reiches, das bis Montbéliard (damals Mömpelgard) in Franche-Comté (Burgund) reicht.

1602
Glaubensflüchtlinge, von den Habsburgern aus der Steiermark, Kärnten und Krain vertrieben, finden in Freudenstadt Heimat und Zuflucht.

1604
Der Bergbau im nachen Christophstal wird vom Herzog erweitert und gefördert.

1608
Herzog Friedrich stirbt und mit ihm seine große Staatsidee und der Traum der bedeutenden Residenzstadt. Seine Erben legen keinen Wert darauf, diese "hochtrabenden" Pläne zu vollenden.

1610
Die Pest dezimiert die Einwohner.

1632
Ein Brand vernichtet die Hälfte der Stadt, als in der Kutscherstation "Haus zum Güldnen Barben" ein Feuer ausbricht.

1634
Nach der Niederlage der Protestanden bei Nördlingen verheeren die Kaiserlichen Württemberg. Freudenstadt wir im 30jährigen Krieg von Freund und Feind geplündert. Eine neue Pestwelle rast durch die Stadt.

1667
Herzog Eberhardt III. beginnt eine Festung um Freudenstadt zu bauen. Nach
seinem Tod (1674) wird das Vorhaben eingestellt.

1670
Wiederaufbau/Bau eines neuen Rathauses.

1859
Die katholische Kirsche wird Basilika ähnlich (3-schiffig) gebaut.

1877
Stadtschultheiß Alfred Hartranft (* 1.07.1847 Böblingen *21.11.1930 Freudenstadt) gelingt es in mehr als 40-jähriger zielstrebiger Arbeit, aus dem Hinterwäldlerstädtchen einen weltbekannten Höhenluftkurort zu machen.

1878
Die Stadt wird durch die "Gäubahn" mit Stuttgart verbunden.

um 1900
Die Grand-Hotels Waldlust, Waldeck und Rappen entstehen. König Georg von England ist Kurgast in Freudenstadt.

1902
Das Kurtheater wird gebaut und 1912 eine Wandelhalle mit Musikmuschel hinzugefügt. 1924 wird der Kurgarten angelegt.

1929
Der Golfplatz wird eröffnet.

1937
65.000 Gäste besuchen Freudenstadt, darunter viele aus dem Ausland.

1939
Freudenstadt erhält erstmals das Prädikat Heilklimatischer Kurort.

1940
Während des Westfeldzuges befindet sich in Freudenstadt ein Armeeoberkommando; Hitlers Hauptquartier liegt im Kniebisgebiet. Obwohl jedes Bett der Stadt mit Verwundeten belegt ist, somit zahlreiche Lazarette beherbergt, ist Freudenstadt nach der Genfer Konvention keine Lazarettstadt, weil es im Festungsbereich des Westwalls liegt.

1945
Die deutsche Verteidigung (von Nazigauleiter Murr "bis zum letzten Mauerrest - bis zum letzten Mann" befohlen) versucht mit schwachen Kräften, den französischen Vormarsch auf Freudenstadt aufzuhalten. Der befehlshabende deutsche General setzt sich mit seinem Befehlsstand in einem Freudenstädter Hotel fest.

Erst in der Nacht vom 16./17. April 1945 gibt der General den Befehl, die Front, die seither 6 km nördlich von Freudenstadt verläuft, in deine Linie 6 km südlich von Freudenstadt zurückzunehmen. Aber in der Zwischenzeit hat das französische Artilleriefeuer, begünstigt durch die Holzbauweise und den Wassermangel (die Hauptwasserleitung war zerstört) die Innenstadt in Brand gesetzt.

Als die Franzosen in die Stadt einrücken, ist Freudenstadt ein einziges Flammenmeer.

Willkürliche Brandstiftung der alkoholisierten größtenteils nordafrikanischen Truppen geben der Stadt den Rest. Die Eisenbahnbrücken wurden vorher schon von den abrückenden deutschen Truppen gesprengt.

1949 bis 1954
Der Wiederaufbau von Freudenstadt in Anlehnung an die alten Pläne gilt noch heute als beispeilhaft für die Nachkriegszeit (Das Wunder von Freudenstadt).

Während der Aufbauphase

1950

Einweihung der wieder aufgebauten Stadtkirche.

1952-1954
Mit dem neugestalteten Marktplatz gilt der Wiederaufbau der Stadt als vollendet. Eröffnung des Kurhauses.

Die "Venus von Freudenstadt" wird als Erinnerungspfeiler an den beispielhaften Wiederaufbau der Stadt mitten auf dem Marktplatz integriert

1961
Städtepartnerschaft mit Courbevoie/Frankreich.

1971-1981
Neue Hotelbauten entstehen.

1988
Freudenstadt wird "Große Kreisstadt". Der Omnibusbahnhof beim Postgebäude wird eröffnet.

1989
Das neue Kur- und Kongresszentrum wird eingeweiht. Die Tiefgarage unter dem Marktplatz wird fertiggestellt.

1990
Der Obere Marktplatz und Teile der Innenstadt werden zur Fußgängerzone umgestaltet.

1997
Freudenstadt erhält das Prädikat "Kneipp-Kurort".

1999
Die Bürger von Freudenstadt feiern mit vielen Gästen den 400. Geburtstag ihrer Stadt. Am Unteren Marktplatz werden die 50 Wassefontänen eingeweiht und das wieder entdeckte Bergwerk für Besucher geöffnet. Mit dem Naturerlebnis- und Waldgeschichtspfad erhält Freudenstadt ein weiteres attraktives Angebot.

2003
Stadtbahnverbindung von und nach Karlsruhe wird eröffnet.

2004
Die Bahnverbindung nach Offenburg wird modernisiert und bis nach Straßburg verbessert. Die Herzog-Friedrich-Tour, eine Stadtführung der besonderen Art, wird ab sofort angeboten. Herzog Friedrich I. entführt auf eine wundersame Zeitreise und stellt "sein Freudenstadt" vor.

2005
Die Modernisierung der Bahnverbindung nach Stuttgart wird umgesetzt. Die einheitliche Schwarzwald-Wanderwegbeschilderung wird mit einem Wegenetz von 350 km auf der Gemarkung Freudenstadt komplett realisiert.

2006
Sieben neu beschilderte Heilklimawanderwege mit insgesamt 81 km dienen als neues therapeutisches Angebot des Heilklimatischen Kurortes. Die Stadtbahnlinie der Murgtalbahn wird bis Eutingen verlängert. Die Deutsche Bahn AG stellt mit modernen Zügen eine umsteigefreie Verbindung zur Landeshauptstadt Stuttgart her.

2008
Plenterwald-Pfad zum 100-jährigen Jubiläum des Stadtwaldes.